Naso Tjerdi

Naso Tjerdi ist der Name des Siedlungsgebietes des Naso Volkes am Rande des Weltnaturerbes und Nationalparks „Parque Internacional La Amistad“ (*PILA) in Panama. Das Volk der Naso ist seit tausenden von Jahren Schutzpatron der Wälder, Flüsse, Tiere und Pflanzen dieses Gebietes am Rio Teribe an den Ausläufern der Cordillera Talamanca in der Provinz Bocas del Toro im Nordosten der Republik Panama. Die ursprüngliche Bezeichnung des Flusses, Verkehrsmittelpunkt und Lebensader des Volkes, „Tjerdi“ bedeutet „Großmutter“ auf Naso. Die Spanier, unter Ihnen auch Kolumbus, machten aus Tjerdi Teribe. Der Fluss und seine Zuläufe sind schon seit 50 Jahren ein begehrtes Onjekt für die Wasserwirtschaft und Staudammindustrie. So konnte trotz Nationalpark- und Weltnaturerbestatus eine Konzession an eine kolumbianische Firma vergeben werden, die am Rio Bonyic, einem Zulauf des Teribe, einen Staudamm errichten ließ unter fadenscheiniger Zustimmung des Königs und Protesten der Bevölkerung. Seit mehr als 40 Jahren kämpft Panamas kleinstes indigenes Volk um die Anerkennung Ihrer Heimat als semi-autonomes Verwaltungsgebiet (Comarca) und um das Überleben. In Anlehnung an den dort lebenden, ebenfalls in seiner Existenz bedrohten Jaguar trägt dieses Projekt den Titel „Dbon Tjang“. Lösungsansätze für eine durch Landraub, Staudammprojekte und finanzielle Armut gefährdete Naso Kultur und Natur fließen hier zusammen. Die Stärkung der kulturellen Identität und Unabhängigkeit der Naso sichert das Überleben der immensen Artenvielfalt in Zentralamerikas größtem Waldgebiet. Das Volk der Naso wird darin bestärkt seine Ihr von der Unesco ausgestellte Schutzfunktion für das Land und seine auf eine Leben im Einklang mit der Natur eigebettete Kultur und Identität aufrechtzuerhalten und auf Basis dieser eine nachhaltige Entwicklung in Ihren Dörfern voranzutreiben. Forschung und Ökotourismus eröffnen finanzielle Einkommensquellen und Möglichkeiten der Selbstversorgung mit Wasser, Lebensmitteln und nachhaltiger Energie für die noch etwa 3000 Naso, die in 11 Dörfern leben. Die Einführung und Umsetzung dieses Community Projekts wird von dem König der Naso, der regionalen und nationalen Regierung, den gemeinnützigen Organisationen Odesen und Fawn e.V., Universitäten, Forschern, zoologischen Gärten und Einrichtungen unter Einbeziehung aller Naso Gemeinden durchgeführt. Das Konzept verbessert die Lebensqualität in den Dörfern und kreiert eine langfristige Hürde für Abholzung und eine industrielle Ausbeutung in PILA. Das Volk der Naso zeigt wie durch die Verbindung von traditionellem Wissen, gemeinschaftlichem Handeln mit nachhaltigen Technologien ein langfristig erfolgreiches, friedliches Leben im EInklang mit Mutter Erde möglich ist.

Gesucht werden Personen, die einen professionellen Imagefilm für die Einrichtung einer Crowdfundingkapagne erstellen können und Personen die Erfahrung darin haben Förderanträge für Konzepte zu schreiben. 

Die Inspiration zu diesem Konzept stammt aus meiner jahrelangen Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Naso Organisation Odesen. Als pädagogischer Beirat sowie Projektleiter Panama für den gemeinnützigen Artenschutzverein First Aid for Wonderful Nature. e.V.“ (*FAWN e.V.) konnte ich 2015 das Forschungsprojekt „Dbon Tjang Pjak Yo“, eine Inventarisierung der am Rio Teribe vorkommenden Säugetierarten durchführen, und fast alle Tierarten Zentralamerikas mit Kamerafallen filmen. Auch durch die Entsendung meines Freundes und Präsidenten von Odesen, Raul Adolfo Villagra, zu einer Anhörung  beim International Council of Human Rights in Denver, Colorado verabschiedete das Parlament Panamas 2019 ein Gesetz zur Schaffung der „Naso Tjerdi“ Comarca und ebnete damit den Weg zu einer strukturierten Ausrichtung des Naso Volkes.

Das Projekt ist in die folgenden Teilbereiche strukturiert:

* biologisches/ökologisches Forschungsstation
Kern des Projektes ist die Gründung einer Forschungsstation für Natur- und Artenschutz. Unter wissenschaftlicher Leitung aus Panama und Deutschland, der Beteiligung der lokalen Organisation „ODESEN“ und Kooperation vom Umweltministerium Panamas, der Nationalparkbehörde und dem gemeinnützigen Verein FAWN e.V. werden Forschungsprojekte für bedrohte Tierarten durchgeführt.
Grundlage für die Errichtung und Ausrichtung einer Forschungsstation ist eine einjährige Studie zur Inventarisierung der im Siedlungsgebiet der Naso vorkommenden Säugetierarten (“Dbon Tjang Pjak Yo“, Ziegler, J., 2015) bei der neben dem stark gefährdeten Baird`s Tapir, den Katzenarten Jaguar, Puma, Ozelot, Margay und Jagaurundi bis auf wenige Ausnahmen alle mittelgroßen bis großen Säugetierarten Zentralamerikas nachgewiesen werden konnten. Forschungsschwerpunkte sind zunächst der mittelamerikanische Baird`s Tapir, eine Lösung des Konflikts zwischen Jaguar und Nutztieren sowie die Erforschung der Affenarten am Rio Teribe.

* Ökotourismusprogramm
Seit Jahren gibt es bereits ein Ökotourismusprogramm am Rio Teribe. Besucher können bei Familien übernachten, Regenwald und Dorfleben erkunden. Dieses Angebot wird durch ein hochpreisiges Angebot für Ornithologen zur Beobachtung der über 900 in Panama vorkommenden Vogelarten ergänzt. Die Abdeckung verschiedener Lebensräume begünstigen die Abdeckung eines weiten Artenspektrums vor Ort. Dieses Ökotourismusprogramm mit limitierter Besucherzahl ermöglicht es dem Volk der Naso finanzielles Einkommen mit dem Erhalt des intakten Ökosystems zu verbinden. Eine Inventarisierung der in der Region vorkommenden Vogelarten wurde bereits begonnen und wird im Rahmen von wissenschaftlichen Expeditionen, studentischen Arbeiten fortgeführt. Der Aufbau eines Gasthauses mit sanitären Anlagen (Komposttoiletten), Wasserfiltration, Solarzellen und Sateliteninternet, die Schulung von Personal und der Aufbau einer touristischen Infrastruktur sind die Aufgaben dieses Teilbereiches. Das Gasthaus ist in das biologische Forschungszentrum integriert.

* Umweltbildung
Die Resultate und Aktivitäten der Forschungen fließen in den Aufbau eines handlungs- und praxisorientierten Curriculums für Schüler, Bewohner der Region mit dem Ziel eine emphatische Verbindung zur Natur durch Originalbegegnungen und die Erfassung mit allen Sinnen aufzubauen. Die Schulung und Information der Bevölkerung begünstigt eine Sensibilisierung für den Wert einer intakten Natur, hilft Natur- und Artenschutzgesetze umzusetzen, fördert Wissen und Anwendung von Natur- und Artenschutz und bietet so eine Alternative für neoliberale Ansätze die natürliche Ressourcen für einen kurzfristigen Profit ausbeuten. Eine Partnerschaft mit der „Station Natur und Umwelt“ in Wuppertal, Germany, Dienststelle des Projektleiters Jörn Ziegler, ermöglicht die Übernahme und Adaptierung eines erfolgreichen Modells. Unterrichtseinheiten für Schüler sind „Kleinlebewesen im Fließgewässer“ (Saprobienindex), „Bedeutung und Funktion von Bodenlebewesen“, „Nahrungsnetze im Wald“ und „Heil- und Nutzpflanzen“.

* nachhaltige Entwicklung/Lebensweise
Ein Teil der Gewinne aus dem Ökotourismusprogramm, sowie Spenden und Gelder aus Fördertöpfen werden dazu verwendet eine CO2 freie Lebensgemeinschaft und Energieversorgung (Solarenergie Boote und Häuser), Trinkwasserversorgung und Abwasser (Filtrationsanlage, Komposttoiletten) sowie eine regionale, extensive und partizipative Landwirtschaft mit dem Ziel der Selbstversorgung aufzubauen. Während es in den Dörfern der Naso an sauberem Trinkwasser und einem Abwassersystem mangelt, herrscht unter der Bevölkerung noch ein breites Wissen über die Kultivierung von Nutzpflanzen. Der Aufbau des Forschungszentrums und Gasthauses für Ökotouristen dient als Pilotprojekt für die Umsetzung eines Trink- und Abwassersystems sowie der Versorgung mit regenerativen Energien. Ziel ist es eine nach aussen unabhängige, CO2 freie Versorgung aufzubauen und gleichzeitig ein intaktes Ökosystem zu erhalten.

 

Naso Tjerdi – a brief explanation of the Naso people:

The River Teribe and its tropical rainforests have been the homeland of the indigenous tribe of the „Naso“ (Teribes). The river marks the central element of the Naso community spiritually and by means of transportation. The name Teribe is derived from the Naso word „Tjerdi“ which is translated as river of the grandmother. The indigenous tribe counts a population of about 3525 people and is the last monarchy of the Americas. The Naso currently live in 12 small villages, Santa Rosa (pop. 200), So Di (pop. 200), Bon Llik (pop. 500), Solon (pop. 400), Dwluy Llik (pop. 150), Kuy Kin (pop. 100), Shey Llik (pop. 500), Shey King (pop. 500), Loma Bandera (pop. 75), San Dluy (pop. 500) and San San (pop. 200). The Naso capital Siellik and the largest settlement Sieyik are positioned across from each other along the river Teribe from each. They mark the entry into old, abandoned settlements of their ancestors upstream and primary rainforest habitat. During the last centuries the Naso had moved their settlements further downstream closer to the province capital Changuinola. The ancient and traditional settlements further upstream such as Shublollik can be identified by river banks planted with banana and other agricultural plants. These areas today are frequently visited on foot and by boat for purposes of harvesting and limited fishing and hunting. The lack of roads to the heart of the Naso homeland has saved the Naso culture from diminishing into „latino“ culture and saved the rainforest habitat from logging, cattle farming, extensive tourism, industrial or residential development. Nevertheless their homeland is under pressure from cattle ranches, hydroelectric dams and the neighboring, expanding Ngobe Bugle tribe. The Nasos unlike other tribes in Panama do not have a Comarca (semi-autonomous territory). They have been seeking recognition of their homeland and have been applying for a Comarca over the past 40 years. Sieykin and 8 other Naso villages can only be reached by boat or walking rainforest trails.

«Jaguar» in Naso dem Volk am Rio Teribe, Bocas del Toro, Panama.