Archiv der Kategorie: ÖKOTOURISMUS

Packliste – Erfahrungsbericht von 2 Besuchern

Dinge, die wir bei den Naso gut gebraucht haben:
• Stirnlampe
• Wandersandalen und Gummistiefel
• Geschenke für Gastgeber und Kinder
• Feuchttücher
• Ohrstöpsel zum Schlafen
• Outdoorhose mit abnehmbaren Beinen
• Müllsäcke zum Rucksacktransport
• Hüttenschlafsack
• Trinkwasser
• Bargeld
• Kniestrümpfe
• Ersatzakkus
• Mückenzeug, Tannacomp
• Kekse, Powerriegel
• Handspiegel

Überflüssig waren (u.a.):
• Alles mit Stecker
• Kosmetik (Schminke, Rasierzeug, Shampoo, Haargel,…)
Gute Mitbringsel für Gastgeber und Kinder:
• Comicshop-Tüte (war unser unfreiwilliges Mitbringsel-Highlight)
• Knete (damit hatten die Kinder und ich viel Spaß)
• Kleine Taschenlampen/ Stirnlampen
• Solarlampe
• Spanische/englische Comics (z.B. Superhelden, Marvel/DC)
• Engl. Bücher/Zeitschriften
• Kreisel/ Jojo/ Wasserpistole/ Frisbee o.ä.= robuste Actionspielzeuge zum Zeitvertreiben
• Plastiktüten (Zip= wiederverschließbar)
• Coole T-shirts/Kleider
• Mühle o.ä.: Brettspiele, die man auch aus Naturmaterialien nachbasteln könnte

Dinge, die wir bei den Naso zum ersten mal im Leben getan haben:
• Kakao herstellen
• Wandern in Gummistiefeln (bequem!)
• Kokosnüsse ernten (schwierig!)
• Armbänder knüpfen
• Balsafloß fahren
• Mit Kleidung im Fluss schwimmen
• Aus Liane und aus dem Fluss Wasser trinken
• „Affenschwanz“, „Wilden Rhabarber“, Yuka essen (alles sehr lecker!)
• Vesper (Reis mit fleischähnlicher Substanz, lecker! ) aus einer Palmblattverpackung essen
• Kolibri gesehen
• Zu zweit auf einem Pferd geritten und mit Pferd baden gegangen
• Mit Truthahn Fußball gespielt
• Mais geerntet

Dinge, die wir vermisst haben:
• (Kalte) Getränke und immer freien Zugang zu genügend sauberem Wasser (Wasserfilter ging kaputt, ab da gabs nur noch ungefiltertes Flusswasser)
• Duschen und Haare waschen
• Zeit alleine, unbeobachtet, ohne dass jemand wartet; auch: in Ruhe lesen
• Verfügbarkeit von Produkten/ Lebensmitteln zu jeder Zeit
• Porzellanklo
• Kaffee
• Strom (für Unterhaltungselektronik)

(Da merkt man mal, wie „verwöhnt“ man ist…)

Dbon Tjerdi – Konzept für nachhaltige Entwicklung des Siedlungsgebietes der Naso durch Ökotourismus und eine ökologische Forschungsstation

Bei „DBON TJERDI“ geht es um die Erforschung und den Schutz der Fauna, Flora & Kultur im Siedlungsgebiet des indigenen Volks der Naso am Rio Teribe in der Provinz Bocas del Toro, Panama durch Stärkung kultureller Identität und der Eröffnung finanzieller Einkommensquellen. Die Einführung und Umsetzung dieses Community Projekts wird von dem König der Naso, der regionalen und nationalen Regierung, verschiedener Arbeitsgruppen, gemeinnütziger Organisationen, Universitäten, Forschern, zoologischen Gärten und Einrichtungen unter Einbeziehung aller Naso Gemeinden durchgeführt. Lösungsansätze für eine durch Landraub, Staudammprojekte und finanzielle Armut gefährdete Naso Kultur und Natur fließen hier zusammen und werden durch einen strategischen Entwicklungsprozess geleitet.

Das Projekt leistet einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt, bedrohter Arten und des größten zusammenhängenden Waldgebiets Zentralamerikas, Unesco Weltnaturerbes sowie Nationalparks „Parque Internacional La Amistad“ (*PILA). Das Volk der Naso wird darin bestärkt seine Ihr von der Unesco ausgestellte Schutzfunktion für das Land und seine auf eine Leben im Einklang mit der Natur eigebettete Kultur und Identität aufrechtzuerhalten und auf Basis dieser eine nachhaltige Entwicklung in Ihren Dörfern voranzutreiben.

Die Inspiration zu diesem Konzept stammt aus einer jahrelangen Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen dem Autor und der Organisation Odesen. Der Autor ist als Lehrer im Auftrag des Landes NRW in der Umweltbildung für die Stadt Wuppertal tätig und ist pädagogischer Beirat sowie Projektleiter Panama für den gemeinnützigen Artenschutzverein First Aid for Wonderful Nature. e.V.“ (*FAWN e.V.). Das Konzept ist Thema einer Doktorarbeit.

Das Projekt ist in die folgenden Teilbereiche strukturiert:

* biologisches/ökologisches Forschungsstation
Kern des Projektes ist die Gründung einer Forschungsstation für Natur- und Artenschutz. Unter wissenschaftlicher Leitung aus Panama und Deutschland, der Beteiligung der lokalen Organisation „ODESEN“ und Kooperation vom Umweltministerium Panamas, der Nationalparkbehörde und dem gemeinnützigen Verein FAWN e.V. werden Forschungsprojekte für bedrohte Tierarten durchgeführt.
Grundlage für die Errichtung und Ausrichtung einer Forschungsstation ist eine einjährige Studie zur Inventarisierung der im Siedlungsgebiet der Naso vorkommenden Säugetierarten (“Dbon Tjang Pjak Yo“, Ziegler, J., 2015) bei der neben dem stark gefährdeten Baird`s Tapir, den Katzenarten Jaguar, Puma, Ozelot, Margay und Jagaurundi bis auf wenige Ausnahmen alle mittelgroßen bis großen Säugetierarten Zentralamerikas nachgewiesen werden konnten. Forschungsschwerpunkte sind zunächst der mittelamerikanische Baird`s Tapir, eine Lösung des Konflikts zwischen Jaguar und Nutztieren sowie die Erforschung der Affenarten am Rio Teribe.

* Ökotourismusprogramm
Seit Jahren gibt es bereits ein Ökotourismusprogramm am Rio Teribe. Besucher können bei Familien übernachten, Regenwald und Dorfleben erkunden. Dieses Angebot wird durch ein hochpreisiges Angebot für Ornithologen zur Beobachtung der über 900 in Panama vorkommenden Vogelarten ergänzt. Die Abdeckung verschiedener Lebensräume begünstigen die Abdeckung eines weiten Artenspektrums vor Ort. Dieses Ökotourismusprogramm mit limitierter Besucherzahl ermöglicht es dem Volk der Naso finanzielles Einkommen mit dem Erhalt des intakten Ökosystems zu verbinden. Eine Inventarisierung der in der Region vorkommenden Vogelarten wurde bereits begonnen und wird im Rahmen von wissenschaftlichen Expeditionen, studentischen Arbeiten fortgeführt. Der Aufbau eines Gasthauses mit sanitären Anlagen (Komposttoiletten), Wasserfiltration, Solarzellen und Sateliteninternet, die Schulung von Personal und der Aufbau einer touristischen Infrastruktur sind die Aufgaben dieses Teilbereiches. Das Gasthaus ist in das biologische Forschungszentrum integriert.

* Umweltbildung
Die Resultate und Aktivitäten der Forschungen fließen in den Aufbau eines handlungs- und praxisorientierten Curriculums für Schüler, Bewohner der Region mit dem Ziel eine emphatische Verbindung zur Natur durch Originalbegegnungen und die Erfassung mit allen Sinnen aufzubauen. Die Schulung und Information der Bevölkerung begünstigt eine Sensibilisierung für den Wert einer intakten Natur, hilft Natur- und Artenschutzgesetze umzusetzen, fördert Wissen und Anwendung von Natur- und Artenschutz und bietet so eine Alternative für neoliberale Ansätze die natürliche Ressourcen für einen kurzfristigen Profit ausbeuten. Eine Partnerschaft mit der „Station Natur und Umwelt“ in Wuppertal, Germany, Dienststelle des Projektleiters Jörn Ziegler, ermöglicht die Übernahme und Adaptierung eines erfolgreichen Modells. Unterrichtseinheiten für Schüler sind „Kleinlebewesen im Fließgewässer“ (Saprobienindex), „Bedeutung und Funktion von Bodenlebewesen“, „Nahrungsnetze im Wald“ und „Heil- und Nutzpflanzen“.

* nachhaltige Entwicklung/Lebensweise
Ein Teil der Gewinne aus dem Ökotourismusprogramm, sowie Spenden und Gelder aus Fördertöpfen werden dazu verwendet eine CO2 freie Lebensgemeinschaft und Energieversorgung (Solarenergie Boote und Häuser), Trinkwasserversorgung und Abwasser (Filtrationsanlage, Komposttoiletten) sowie eine regionale, extensive und partizipative Landwirtschaft mit dem Ziel der Selbstversorgung aufzubauen. Während es in den Dörfern der Naso an sauberem Trinkwasser und einem Abwassersystem mangelt, herrscht unter der Bevölkerung noch ein breites Wissen über die Kultivierung von Nutzpflanzen. Der Aufbau des Forschungszentrums und Gasthauses für Ökotouristen dient als Pilotprojekt für die Umsetzung eines Trink- und Abwassersystems sowie der Versorgung mit regenerativen Energien. Ziel ist es eine nach aussen unabhängige, CO2 freie Versorgung aufzubauen und gleichzeitig ein intaktes Ökosystem zu erhalten.

Die Verabschiedung eines Gesetzes zur Schaffung der „Naso Tjerdi“ Comarca bringt Möglichkeiten und Notwendigkeit einer strukturierten Ausrichtung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Naso Volkes zusammen.

Die Zusammenarbeit internationaler Wissenschaftler, Studenten, Organisationen mit den Naso schafft einen „stronghold“ für die bedrohten Arten Zentralamerikas und generiert Wissen um Natur- und Artenschutz tropischer Ökosysteme zu steuern. Das Konzept stärkt kulturelle Identität, verbessert die Lebensqualität in den Dörfern und kreiert eine langfristige Hürde für Abholzung, industrielle Entwicklung und menschliche Einflussnahme in PILA. Das Volk der Naso ist Schutzpatron des Waldes und zeigt wie durch die Verbindung von traditionellem Wissen und neuen Technologien Menschen mit der Natur friedlich und glücklich zusammenleben können.

Jörn Ziegler, 24.11.2018

„Oh wie grün ist Panama“ – Artikel aus dem Kölner Zoo Magazin

„Oh wie grün ist Panama“ – eine Reise in eines der artenreichsten Gebiete der Erde

Reisebericht und Artikel aus dem Kölner Zoo Magazin von Marc Simon und Oliver Mojiecki

Marc und Oliver lernte ich auf einem Vortrag über meine Kamerafallenstudie im Kölner Zoo kennen. Die beiden, Tierpfleger und Biologiestudent, begleiteten mich daraufhin auf eine Reise an den Rio Teribe und unterstützen das Projekt mit Ihrer Inventarisierung von Vogelarten im Land der Naso. Sie brachten nicht nur eine erste, üppige Artenliste der Vogelwelt mit einigen Raritäten mit nach Köln, sondern auch viele Eindrücke. Diese haben Sie in dem als pdf Dokument hier hinterlegten Artikel niedergeschrieben. Zusätzlich füge ich diesem Beitrag diese erste Artenliste bei und lade alle onithlogisch interessierten Personen ein, die Liste zu erweitern und somit eine Grundlage für ein Ökotourismusprogramm für Vogelkundler dort zu schaffen.

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„Oh wie schön ist Panama“ – eine Reisebericht von Leo Kurmes

„Oh wie schön ist Panama“

Eines Abends, im Mai 2014, bekam ich eine Mail von meinem Kumpel J: „Hey Leo, alles klar bei dir? Lass mal dringend skypen, ich habe ne super coole Idee“. In unserem Skype-gespräch erzählte er mir von seinem Jaguarforschungsprojekt im Nationalpark Amistad, Panama, das er zusammen mit einem indigenen Stamm, den Nasos, unternimmt. Er fragte mich, ob ich nicht als Praktikant mitmachen möchte. Das würde bedeuten, ein ganzes Jahr in Panama, bei den Nasos, mitten im Dschungel leben, spanisch und eventuell auch die naso Sprache lernen, alles über ihre Kultur und Lebensweise erfahren und natürlich ständig durch den Dschungel laufen und Kamerafallen für das Projekt auf- und abzubauen. Ich war sehr erstaunt von seinem Projekt, es hörte sich nach dem Paradis auf Erden und nach einer unglaublichen Lebenserfahrung an. Fast hätte ich auch zugesagt, jedoch wollte ich mich im Juli, endlich bei der Universität in Klausenburg einschreiben. Nachdem ich schon 2 Jahre nach dem Abi, rumgereist bin und versucht habe eigenständig zu werden, fühlte ich den Drang ein Studium zu beginnen. Also entschied ich mich für einen Monat mit J durch Panama zu reisen.
Am 16. Juli packte ich einen großen Rucksack, am 17. Juli bin ich nach Klausenburg gefahren um bei dem Projekt Sommerschule von Gutenberg mitzumachen und am 22. Juli flog ich von Klausenburg nach Dortmund. Von Dortmund holte mich mein Cousin ab und brachte mich zum Flughafen in Frankfurt. Von dort flog ich erstmal nach Madrid, wechselte nochmal den Flieger und flog dann direkt nach Panama City (ungefähr 15 h). In Panama City angekommen übertraf mich erstmal eine Hitzewelle (Panama hat tropisches Klima), nachdem 15 Stunden lang nur kühle Luft der Klimaanlage im Flugzeug herrschte. Vom Flughafen nahm ich ein Taxi zum Terminal de buses Albrook und dort stieg ich in den Bus nach Boquete, ein Dorf auf zirka 1100m am Fuße des Vulkan Baru. Nach 8h fahrt in der Tiefkühltruhe (die Klimaanlagen in den Bussen sind unerträglich) kam ich irgendwann um 2 Uhr Nachts in Boquete an und schlief in dem Hostel Mamallena (kann ich nur empfehlen) in einer Hängematte draußen, weil irgendwelche Probleme aufgetreten waren. Die Nacht in der Hängematte war sehr angenehm und erholsam. Am Morgen weckte mich J und wir gingen erstmal schön Frühstücken. Das Essen in Panama ist sehr lecker und der Kaffee ist am besten, da Panama eines der bekanntesten Kaffeeanbauländer ist. In Panama gibt es viele Leckereien: Tortilla de mais, Hojaldras (frittierter Teig), Patacones und Platanos (Kochbananen), sehr viel Reis, Bohnen und Linsen, Kartoffeln, Yuca und andere Süßwurzeln, Fleisch und sehr viele Früchte.
In Boquete waren wir ungefähr eine Woche. Wir haben eine Kaffeetour gemacht bei einem lokalen, ökologischen Kleinbauern. Er hat uns gezeigt wie der Kaffee von den Pflanzen in die Tasse gelangt. Wie die Bohnen ordentlich getrocknet und geröstet werden, um das volle Aroma in der Tasse zu haben. Ich hätte nie geglaubt, dass schwarzer Kaffee so lecker sein kann. Außerdem ist mir bewusst geworden, wie leicht die Großkonzerne uns verarschen indem sie uns schlechte Qualität, durch simple Tricks, teuer verkaufen und dadurch auch den ökologischen Kleinbauern das Leben schwer machen. Diese Tour kann man beim Hostel Mamallena buchen. Eine andere schöne Tour war der „Sendero de los Quetzales“, mit einem sehr guten Wanderführer namens Feliciano Gonzales. Feliciano kennt jede Pflanze, jedes Tier, jedes Insekt und alle Tiergeräusche. Er erzählt einem alles von seinem Land, die guten jedoch auch die schlechten Seiten und man wird von der Liebe, die er zu seinem Land und zur Natur pflegt, erfasst. Mit ein bisschen Glück kann man auch den Quetzal bewundern, der Göttervogel der Mayas.
Unsere Reise verlief weiter an die Pazifikküste, nach Santa Catalina, ein kleiner Ort, der als Surfer Paradis gilt. Dort unternahmen wir unsere erste Tauch-experience. Mit Tauchanzügen und Gasflaschen ausgestattet fuhren wir auf einem Boot in die Nähe der Isla Coiba. Unser Tauchlehrer Cedric zeigte uns kurz wie alles funktioniert und worauf man beim Tauchen achten muss, dann stürzten wir uns kopfüber in die Tiefen des Pazifischen Ozeans. Tauchen ist ein magisches Erlebnis, die Stille der Tiefen des Ozeans mit seiner Artenvielzahl von bunten Fischen in verschiedenen Größen, eine Moräne, die mit offenem Mund aus einer Felsenspalte starrt, ein Seepferdchen, das sich geschmeidig um eine Pflanze umherschwingt und drei Weisspitzhaie, die uns aus nicht allzugroßer Entfernung beobachten und anschließend an uns vorbeischwimmen und in der Dunkelheit verschwinden. Dann sah man wie das Licht der Oberfläche immer heller wurde und plötzlich tauchten wir alle der Reihe nach aus dem Wasser auf. Cedric lies uns auf der Isla Coiba, eine Insel auf der früher die Schwerverbrecher ausgesetzt wurden, heute ein Nationalpark, idyllisch, ruhig und streng geschützt. Wir übernachteten in den Lodges des Nationalparks, früher eines der Gefangenen Lager der Insel und am nächsten Tag machten wir ne kurze Wanderung mit einem Wanderführer des Parks. Der Dschungel war voller Tiere, ab und zu sah man Kapuziner Äffchen und Agoutis, man hörte eine Menge Vögel (Panama hat um die 970 verschiedene Vogelarten) und manchmal auch das Brüllen der Brüllaffen. Spannend waren auch die Geschichten der früheren Gefangenen auf dieser Insel, die unser Guide intus hatte.
Es ging weiter nach Panama City, wir holten dort die 2 Praktikantinnen ab und fuhren mit ihnen nach Bocas del Toro, genauer gesagt, nach Changuinola, wo ein paar Naso schon auf uns warteten. Aus Changuinola mussten wir zum Rio Teribe, von wo wir mit dem Boot den Fluss aufwärts fahren mussten um zu der Naso Stadt „Sieykin“ zu kommen. Ich fand mich wieder in einer Sträusiedlung mit einfachen, wunderschönen Holzhütten. Es gab kein Strom, kein Internet, kein fließendes Wasser. Die Hütten waren sehr luftig gebaut, die Balken und der Fußboden bestanden aus mehreren Palmarten und das Dach aus deren ineinander geflochtenen Blättern. Wir kamen auf den Dorfplatz wo sich eine Menge Leute versammelt hatten um uns zu begrüßen. Die Dorfkinder kamen, noch in Schulkleidung angezogen, angerannt und hüpften J in den Arm, nahmen ihn an den Händen und liefen voller Freude um uns her. J war schon oft bei den Nasos und wird von ihnen viel geschätzt. Es gab eine Ankunftsfeier bei der wir ein paar Spielchen mit den Dorfkindern spielten. Anschließend führten ein paar Nasos einen traditionellen Tanz vor. Dann hielt der Dorfhäuptling noch eine Rede in der er seinen Dank aussprach und wir wurden zum Essen gebeten, es gab Reis mit einem essbaren Farnengewächs, lecker!! Dann ging es zu unserer Gastfamilie Orlando mit seiner Frau Leticia und ihren Kindern. Sie wohnten in einem etwas größeren Haus, welches von Orlando, seinem Vater und anderen Naso selbst gebaut wurde. Am Abend gingen wir rüber zu Adolfo, dem „Vorsitzenden“ von „Odesen“. Wir besprachen das Projekt und die nächsten Tage. Mit dem Projekt „DBÖN TJANG PJAK YO“ (dbön tjang bedeutet Jaguar) möchte man versuchen den Regenwald und dessen Bewohner langfristig zu schützen. Hierfür kooperiert J mit dem gemeinnützigen Verein für Tierartenschutz „First Aid for Wonderful Nature e.V.“ und „Odesen“ die Organisation der Naso.
„ Ziel: Aufnahme von Kamerafallenvideos des Jaguars und Dokumentation der Artenvielfalt im historischen Siedlungsgebiet der Naso entlang des Flusslaufes Rio Teribe.
Aktion: 10 Kamerafallen werden über den Zeitraum von einem Jahr in insgesamt 11 Gebieten entlang des Rio Teribe für jeweils einen Monat aufgestellt. Die Kameras zeichnen ein 10 Sekunden Video von jedem Lebewesen auf, welches den Bewegungs- und Wärmesensor der  Kamera auslöst.
Ergebnis: Die Videos zeigen ein zu schützendes, intaktes Ökosystem mit einer großen Artenvielfalt und einer gesunden Jaguarpopulation. Die “live” Einblicke in die “Privatsphäre” dieser Tiere wecken Empathie für die Existenz und den Schutz dieser Lebewesen und der dort lebenden Naso.“
(Quelle: HYPERLINK „https://dbontjang.wordpress.com/“ https://dbontjang.wordpress.com/)

Während der Woche stellten wir die Kameras ein und testeten sie. Wir unternahmen Wanderungen um geeignete Plätze zu finden wo man die Kameras aufstellen kann, ab und zu liefen uns auch mal wilde Tiere über den Weg und man traf ständig auf Spinnen und Moskitos und andere Insekten. Eines Morgens überraschte mich ein Skorpion der im inneren meines Moskitonetzes chillte. Wir machten einen Rundgang durch Sieykin, liefen über die Kakao-,Bananen- und andere Plantagen, besuchten einen der älteren Naso, welcher uns die Jagdtechnik mit Pfeil und Bogen zeigte. An einem Tag nahmen wir uns frei und badeten mit den Kindern im Fluss Teribe, wo Orlando uns zeigte, wie er mit einer selbstgebastelten Harpune fischt. Die Nächte bei den Naso waren der Hammer. Die Geräusche der Insekten und der Tiere, zusammen mit der Tiefe des Universums und wahrscheinlich auch meiner Fantasie, waren so intensiv, dass sie nach längerem zuhören wie eine Art Goa Musik in den Ohren klangen.
Es war eine wunderschöne Zeit aber nun näherte sich der Abschied. Ich verlies die Naso, J und die Praktikantinnen Marie und Johanna, um noch eine Woche alleine zu Reisen. Ich besuchte die Insel Colon an der Karibikküste. Hier lies ich es mir nochmal gut gehen. Ich fand ein cooles Hostel namens Mar e Iguana, machte einen Surfkurs, wanderte nochmal mit einem Guide durch den Inseldschungel und sah Tucane. Ich traf auf eine coole Gruppe von Spaniern mit denen ich meine Nächte verbrachte und so kam ich dem Abschluss meiner Reise immer näher. Ich fuhr zurück nach Panama City mit Zwischenstopp in Boquete.
Der Rückflug war angenehmer als der Hinflug. Ich schlief den ganzen Flug durch und wachte nur bei den Mahlzeiten auf. Das Geld hat mir bis zum Flughafen in Dortmund gereicht, von wo ich zurück nach Klausenburg fliegen sollte. Da ich aber nirgends die Möglichkeit hatte mein Onlineticket auszudrucken, verlangten die Schweine von „Wizz-Air“ (die Fluggesellschaft mit der ich fliegen musste) noch 35 € zusätzlich von mir. Ich habe versucht ihnen meine Situation zu erklären aber sie wollten nicht zuhören, schrien mich stattdessen an und ließen mich nicht in das Flugzeug einsteigen. Also sah ich zu, wie mein Flugzeug, ohne mich nach Rumänien flog. Gottseidank ist Dortmund nicht allzu weit von Siegen entfernt, also holte mich meine Cousine ab. Ich bekam Geld, von meinen Eltern überwiesen, um mir einen neuen Flug zu buchen. Diesmal buchte ich „Tarom“, welche eine anständige und professionelle Fluggesellschaft ist. Der Flug war zwar ein wenig teurer aber man hat alles inklusiv und muss nicht für jeden Quatsch extra draufzahlen wie bei „Wizz-Air“.

Reisebericht von Leonard Kurmes