Archiv der Kategorie: Sprache & Kultur

Wayran – der große Tapirgott

„Tiergeister legen den Menschen auch Verhaltensregeln und Tabus auf, die es unbedingt einzuhalten gilt. “ (Storl W.D., „Der Bär“, At Verlag S. 15)

Antonio Sanchez Gonzales, geboren am 14.01.1954 in Krowa Palenque vom Clan Magrosa des Naso Volkes ist ein Botaniker, Kenner und Hüter der Naso Sprache, Kultur und Natur. Sein WIssen über die Geschichte, Kultur, Heil- und Nutzpflanzen und Natur am Rio Teribe ist von unschätzbaren Wert. Auf meinen Wunsch hat er die Legende über den Tapir aufgezeichnet – in Naso Sprache – übersetzt von Daniel und Adolfo Villagra ins Spanische. Sie zeugt von der Verbundenheit der Naso mit der Natur. Ohne moderne Forschungsergebnisse und das Wissen über die enorm rückläufigen Bestandszahlen des Baird`s Tapirs werden die Bewohner am Rio Teribe dafür sensibilisiert, daß der Tapir ein wichtiges und nur in Ausnahmefällen bejagbares Tier ist.

„Die Naturvölker haben weder Labore noch eine auf experimentelle Methode zur Wissensfindung entwickelt.“ Aus diesem Grund konnten einige Naso nicht verstehen, woher man die Bestandszahlen einer Tierart kennt.  Ebensowenig die Tatsache, dass diese droht von der Erde zu verschwinden. „Ihr Wissen über Tiere beruht auf einem engen,  unmittelbaren Zusammenleben mit den wilden gefiederten und felltragenden Bewohnern Ihrer Umwelt. Ihre Gemeinschaft ist eine, die viele Generationen überspannt; Mensch und Tier wissen voneinander  verhalten sich mit- für- und gegeneinander  und bilden eine Lebenseinheit, eine Symbiose. Naturmenschen kennen jeden Laut der Wildnis, sie können auch die feinsten Spuren – (…) – axakt deuten.“ (Storl, W.D., „Der Bär“ AT Verlag, S. 13-14)

Die Legende erzählt davon, daß der große Geist den Tapirgott Wayran um Hilfe bat das Land aufzuteilen. Dem Volk der Naso gab Wayran daraufhin die Anweisung den Tapir nicht zu jagen, mit Ausnahme von einigen Tieren deren Körper mit Narben versehen ist. Vor einer solchen Jagd müssen allerdings sämtliche Rituale abzuhalten sein. Bei Nichtbeachtung werden Jäger oder seine Familie verflucht. Zu dieser Zeit hatte der Tapir die Fähigkeit die menschliche Gestalt einer stämmigen Frau anzunehmen. Die Geschichte erzählt weiterhin, daß ein Jäger einer Spur des Tapirs ewig folgend an eine Lagerfeuer gelangte, wo Menschen ähnliche Wesen gelbes, fettiges Fleich zubereiteten. Auf die Frage wem das Fleisch gehörte, antwortete der Jäger es sei seines und nahm es mit auf seine Rückreise. Dort versperrte eine Liane seinen Weg, bei dem Versuch über die Liane zu steigen erhob sich die Liane und senkte sich bei dem Versuch unter ihr hindurch zu kriechen. Als er versuchte einen Umweg zu gehen, wurde er von einer herabstürzenden Liane in 2 Teile getrennt und schleppte sich so zu dem Vorraum seiner Hütte im Dorf, dort wo das Feuer brannte um mit dem Qualm seine Wunden zu verschließen.